Wie alles begann…

„Glück als Schulfach? So etwas gibt es?“, so oder so ähnlich hörte man es im Kollegium der Leoschule, als eine Kollegin davon erzählte. Die Verwunderung darüber wich schnell der Neugier: Was wird unterrichtet? Warum braucht „Glück“ ein eigenes Fach? Wie kann man „Glück“ lernen? Ist „Glück“ und „glücklich sein“ das Gleiche? Es wurde zunächst wieder still um das Thema „Glück“. Als dann jedoch die Patenärztin der Leoschule das Thema „Glück und Gesundheit“ in das Kollegium einbrachte und einen kurzen Vortrag dazu hielt, dass Glück nicht nur zu unserer Gesundheit beitragen, sondern auch das Lernen in der Schule verbessern kann, wurde das Thema Glück wieder neu diskutiert. Wir nahmen an einem Workshop des Vereins zur Förderung der Lern- Lebensfreude – Malaika e.V. teil, um mehr darüber zu erfahren, wie „Glückunterricht“ in der Schule aussehen kann.  Anschließend starteten die Klassen 1a und 1b der Leoschule das Projekt „Glück“. Dass gleichzeitig dazu ein Wettbewerb der Ärztekammer Nordrhein und der AOK Rheinland/Hamburg im Rahmen des Programms „Gesund macht Schule“ zu diesem Thema stattfand, war eine zusätzliche Motivation.

Was ist Glück?

Für den Einstieg in das Thema wählten wir das Bilderbuch „Glück gesucht“ von Ulrike Motschiunig und Nina Dulleck. In dem Buch geht es um einen kleinen Fuchs, dessen Mutter krank ist. Sie sagt zu ihm: „Mit ein bisschen Glück bin ich bald wieder gesund.“ Der kleine Fuchs macht sich auf die Suche nach dem Glück und fragt verschiedene Tiere, was Glück ist und wo man es finden kann. Doch jedes Tier gibt dem Fuchs eine andere Antwort auf seine Fragen. Denn natürlich bedeutet Glück für jedes Tier etwas anderes. Das Glück der Elster sind ihre glitzernden Schätze, das Glück des Hasen ist es, nicht von dem Fuchs gefressen zu werden etc.  Letztendlich kommt der kleine Fuchs ohne Glück nach Hause. Er glaubt nicht, dass das Glück, von dem die Tiere ihm erzählt haben, seiner Mutter helfen kann. Zu Hause erklärt ihm die Mutter, dass das Glück nicht in der Umgebung zu finden ist, sondern dass es in einem selbst ist, im Inneren. Dass das Glück der Mama die Liebe zu ihrem kleinen Fuchs ist, und dass „Glück“ für jeden etwas anderes sein kann, haben auch die Schülerinnen und Schüler schnell herausgefunden.

Die Kinder hatten nach der Geschichte vom kleinen Fuchs auch eine ganz eigene Vorstellung davon, was Glück sein kann. Zu Beginn gab es viele Beispiele von Gegenständen: Playstation, Switch, Lego, Swimming Pool etc., die sie glücklich machen. Aber auch Menschen und Tiere machen glücklich: Freunde, Brüder, Schwestern, Eltern und Verwandte. Dass auch Tätigkeiten glücklich machen können, wurde erst durch ein Kind klar, das Glück beim Legobauen empfand und anderen davon erzählte. Erst dann bemerkten die anderen, dass auch Dinobücher lesen, Schaukeln, Picknicken, Schneemann bauen etc. das Gefühl von „Glück“ auslösen können.

Jedes Kind malte ein Bild zum Thema. Zusätzlich interviewten sich einige Kinder gegenseitig. Einige Bilder und einen Zusammenschnitt der Interviews haben wir hier auf der Website veröffentlicht.

 

Wie wird man glücklich ?

Glück ist für jeden anders, und es gibt viele Arten von Glück. Schnell überlegten die Klassen, was man tun kann, um glücklich zu werden. Wie auch schon bei der Frage „Was ist Glück“, fielen uns zuerst materielle Dinge ein. Es ging vor allem um Geschenke. Jedes Kind fühlte, „wenn ich etwas geschenkt bekomme, dann fühle ich mich glücklich“. Da die Schülerinnen und Schüler der Leoschule auch Weihnachtspäckchen mit Geschenken für Kinder in Rumänien packen und eine Kita in Kolumbien mit Spenden unterstützen, war dieser Gedanke naheliegend. Diese reine materielle Vorstellung von Glück wurde durch einige Fragen jedoch schnell erweitert. „Was ist mit anderen Kindern in ärmeren Ländern, die keine teuren Geschenke bekommen? Was ist, wenn man kein Geld für Geschenke hat?“. Zuerst war die Antwort darauf einfach: „Man bastelt oder malt etwas Schönes, das man verschenken kann“. Nach und nach fielen uns aber auch andere Dinge bzw. Taten ein, die glücklich machen: Personen, die für uns da sind, Haustiere zum Schmusen, Kuscheltiere zum Umarmen, Miteinander Spielen, zueinander freundlich sein, Lego bauen, Haare kämmen, Seilchen springen und und und… Dazu folgen hier einige Interviews, wie man andere glücklich machen kann. Man kann sehen: Die Antworten auf Fragen „Was ist Glück“ und „Was macht glücklich?“ liegen nah beieinander.

Wie können wir in der Klasse glücklicher werden?

Dazu sammelten wir zuerst Ideen. Einige waren z.B. nett zueinander sein, einander helfen, auf die Klassenregeln achten und andere mitspielen lassen etc. Kann man so wirklich glücklicher werden? Wir wollten dies in der Klasse ausprobieren und benutzten dazu ein „Glücksglas“. Wann immer jemand in der Klasse durch jemand anderen glücklich gemacht wurde, kam ein „goldener Korken“ in unser Glücksglas. So wollten wir schauen, wie gut wir im „glücklich machen“ sind. Das Glas füllte sich langsam, denn es war nicht immer einfach, im Alltag zu bemerken, dass man gerade von jemandem glücklich gemacht wurde. Aber auch das war eine Lektion: Um „Glück zu spüren“ muss man in sich hineinhorchen und sich das Glück öfters bewusst machen.

Nachdem wir uns mit dem Glücksglas das Glück etwas bewusster machen konnten, fiel einem Kind in einer unserer Gesangsstunden mit unserer Musiklehrerin Frau Lange auf, dass es beim Singen sehr glücklich ist. Dies bemerkten viele andere Kinder auch. Singen macht glücklich?!. Ob wir auch andere mit Gesang glücklich machen können? Das wollten wir ausprobieren.

 

Projekt „Singen macht glücklich“

Gemeinsam mit Frau Lange übten wir einige Gesangsstücke, die wir auch in der Schule aufführten. Wir überlegten, wen wir mit unserem Gesang glücklich machen wollten, und entschieden uns für das St. Augustinus Memory Zentrum. Dort wollten wir für die Senioren singen, in der Hoffnung, sie glücklich zu machen. Die Aktion war ein voller Erfolg. Nicht nur die Senioren waren glücklich (Zitat Nassim: „Das habe ich an den Gesichtern und an dem Applaus gemerkt!“), auch wir waren es.

Wie geht es weiter?

Nach den Sommerferien wollen wir weiter über „Glück“ sprechen und die Möglichkeiten, unsere Schule zu einem glücklicheren Ort zu machen. Dazu haben wir bereits einige Ideen (Können Geschichten glücklich machen?, Was mache ich, wenn ich nicht Glücklich bin, sondern Ärger habe oder traurig bin? usw.), die sicherlich mit der Zeit noch ergänzt werden. Wir werden auf jeden Fall unser „Glück“ versuchen …